Piazzolla
erklärt die Geschichte des Tangos, und seine Rolle in
dieser, in der er sie in verschiedene
Ströme teilt. Der traditionnelle Tango (seit 1880), der "groteske Tango
aus Hollywood von Rudolf Valentino, welcher mit einem spanischen 'olé'
endet", den tanzenden Tango von 1940 der von Anibal Troilo kreiert wurde
"als ganz Buenos Aires sich anzog, redete und ging wie ein Tango." "Und
als ich 1954 eintraf, erschien ein neuer Tango, interlektuell, ein Tango
der nicht gesungen und getanzt wurde, es war ein Tango zum Nachdenken."
Der
Tango Nuevo erschien 1954 und faßte alle
musikalischen Erfahrungen von Piazzolla in dieser Epoche zusammen, er
schockierte die Traditionsanhänger. Es war das Ergebnis einer
klassischen Erziehung, einem Interesse für folkloristische Musik seines
Landes, dem Jazz und all den anderen Einflüssen die sich während seines
ganzen sehr kosmopolischen Lebens anhäuften.
Er
wurde 1921 in Mar del Plata, Argentinien, geboren. Seine Eltern waren
von Italien nach Argentinien imigriert. Von 1921 bis 1937 lebte er mit
seiner Familie in New York und begann bei Bela Wilda (einer von
Rachmaninovs Schülern) mit dem Klavierunterricht. Bela Wilda arrangierte
auch Kompositionen von Bach für Bandoneon, ein Instrument das der kleine
Astor mit 9 Jahren von seinem Vater geschenkt bekam. Schon bald wollte
der junge Bandoneonist die Aufmerksamkeit von Carlos Gardel, der größte
Name in der Welt des Tangos in dieser Epoche, auf sich ziehen. Sie
arbeiteten zusammen an der Partition "El dia que me guieras" welche den
Anfang einer langen Karriere Piazzollas als Komponist von Filmmusik
markierte, eine Karriere welche um die 50 Projekte zählt. Interessant zu
vermerken ist die Tatsache daß er zwei interessante Angebote ablehnte :
1935 die Einladung von Cardel nach Hollywood umzuziehen, und, 1972 das
Angebot von Bertolucci für den "letzten Tango in Paris". 1937 kehrte er
nach Buenos Aires zurück und stieß zum musikalischen Kreis der Stadt
hinzu. Er nahm Kontakt mit zwei besonders wichtigen Personen in seiner
Entwicklung auf : Alberto Ginastera mit dem er 1940 mit dem Studieren
von Kompositionen begann, und Anibal'Pichuco'Troilo, Bandoneonist und
Anführer eines bekannten Orchesters. Dieser Letzte war ein großes Idol
von Piazzolla und er hatte die Gewohnheit mit ihm bis 1946 zu spielen als
er sein Orquesta Tipica formierte, in dieser Zeit noch traditionnel.
1954
fing seine Karriere richtig an : nachdem er mehrere
Preise für Kompositionen gewann und seine Studien für Orchesterdirektion
mit Hermann Scherchen beendet hatte, ging er nach Paris um die
Komposition zu studieren, gesponsert von der französischen Regierung.
Sein Vormund wurde Nadia Boulanger, die famose Komponistin und
Pedagogin. Er kam, so sagte er, mit "50 bis 60 Kilos"(!) von
symphonischer Musik, Kammer- und Pianomusik aber sie gab ihm den Rat
(dies erwies sich als entscheident) seinen eigenen Styl auf der Basis
des traditionellen Tangos aufzubauen indem er diesen mit all den Dingen
die er kannte bereichert und die Musik in der man "Barok, Stravinski,
Hindemith und nicht Piazzolla" findet aufgibt.
Von
großem Einfluß war auch die Tatsache daß Paris in dieser Epoche die
Hauptstadt des Jazz war und Piazzolla knüpfte zahlreiche Kontakte mit
bekannten Musiker. Er war besonders von Gerry Mulligan (Saxophonist
Bariton) beeindruckt mit dem er 1974 arbeitete, und vom Vibraphonist
Garry Burton mit dem er auf dem Jazzfestival in Montreux im Jahr 1986
spielte.
Zurück
in Argentinien formierte er 'El Octeto de Buenos Aires'.
Bei der Vorstellung seines neuen Tangos stieß er auf
eine totale Mißbilligung der 'Tangueros'
die darin nur eine Verlächerlichung ihres nationalen
Tangos sahen. Ihm wurden Drohungen und Intoleranz zuteil die bis zur
physischen in Gefahrstellung reichten. Niemand verschonte ihn, nicht mal
Jorge Luis Borges der nachdem er sich einen Teil seines Konzertes
anhörte sich erhob und seinem Kollegen Ernesto Sabato zuschrie "Gehen
wir, heute Abend scheint hier kein Tango gespielt zu werden" (Piazzolla
nahm es ihm nicht übel denn wenige Jahre später komponierte er mehrere
Themen auf eine Auswahl von Borges Gedichten).
1960
formierte er das 'Quinteto Nuevo Tango' (Bandoneon,
Violine, Piano, elektrische Gitarre, Kontrabaß), wahrscheinlich seine
beste Gruppe.
1963
bekam er den 'Hirsch-Preis' und komponierte "3 Movimientos Sinfonicos"
welches
Paul Klecki im selben Jahr dirigierte.
Ende
1967 schrieb Astor Piazzolla mit dem Dichter Horacio Ferrer
die Operette "Maria de Buenos-Aires" welches
ein Jahr später uraufgeführt und aufgenommen wurden. Dann immer noch mit
Ferrer, begann eine neue Etappe für Piazzolla, den gesungenen Tango :
er komponierte 1969 eine Serie von Balladen und
Präludiumen (= einleitendes Vorspiel). Ende des selben Jahres nahm er am
1. Festival der Chanson von Buenos Aires teil, und sein Lied "Balada por loco"
(Ballade für einen
Verrückten), von Amelita Baltar interpretiert, offenbarte sich als
großer Erfolg des Jahres und schlug beim Plattenverkauf alle Rekorde.
Von
diesem Moment an begann das Phänomen Piazzolla besondere Dimensionen
anzunehmen, dies durch das Umwandeln seiner verrückten Erfolge, und
widmete seine Musik als authentischer Ausdruck von Buenos Aires. Im Mai
1971 komponierte er mit Horiaco Ferrer "El Pueblo Joven"(
das junge Volk), Oratorium
für Bandoneonsolisten, Sänger, Solosänger, Ballet und Streichorchester
im Chor und 3 Schlaginstrumenten. Dieses Werk hatte im Dezember 1971
seine erste Weltpremiere beim Saarbrückener Fernsehen. Im Februar 1972,
Gesangpreis beim ONDA NUEVA FESTIVAL von Caracas mit "La
Primera Palabra" gesungen
von seiner Frau Amelita Baltar.
In
den 70er Jahren begann er seine europäische Karriere aufzubauen. Er
begann mit dem Land seiner Vorfahren durch das Aufführen von einer Serie
von Konzerten am italo-amerikanischen Institut von Rom. Er bekam erst in
den 80er Jahren die Anerkennung des Publikums. Die Größten des
zeitgenössischen Jazz (Joe Zawinul, Pat Metheny)
begrüßten ihn als einer ihrer Lieblingsmusiker und Grace Jones erreichte
den Höhepunkt ihrer Karriere dank seines 'Libertango' (I've seen that
face before). Er verbrachte fast den Rest siner Jahre in Buenos Aires wo
er am 4. Juli 1992 an einem Herzinfakt starb.
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