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Unmöglich
vom Akkordeon in Frankreich zu sprechen ohne diesen Genre zu erwähnen
welches soviel für dessen Ruhm als auch für dessen schlechten Ruf
machte: die
'MUSETTE'.
Von den einen vergöttert, von den anderen verachtet, und dennoch gilt es
bei den Fremden als Synonym von Paris, kurz des
"French
way of life".
Pierre
Monichon
berichtet davon recht gut in seinem Werk
"L’Accordéon"
:
"In
der Welt des Akkordeons ruft das
'Musette'
unvermeidlich die Idee des Tanzes auf und veranlasst die Vorstellung zu
den volkstümlichen Tanzlokalen (guinguettes), den Ballsälen wo
Paare zu den Klängen eines kleinen Orchesters tanzen. In der heutigen
Zeit erinnert dieser Ausdruck auch an ein Stück der
Belle Epoque
(der schönen Epoche), seiner Sorglosigkeit, seines Ausdrucks von
Freiheit …
Im
übrigen kann es durchaus sein dass die
'Musette'
den Ausdruck einer gewissen Freiheit für eine ganze bürgerliche
Kundschaft darstellte, die sich in den Hinterhof einer Wirtschaft
begaben um die eingeschränkte Lebensart zu vergessen wo die Vernunft
sich gegenüber dem Herzen durchsetzte."
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Dieser
Ausdruck wies anfangs auf jeden Tanzball hin auf dem ein Orchester war,
bestehend aus mindestens einem Musettespieler welches das Thema
spielte.
Auch
wenn die ersten öffentlichen Bälle in Paris von Anfang des 18.
Jahrhunderts
her datieren, musste man bis zum 19. Jahrhundert
warten um sie bei ihrer Entfaltung zu beobachten, in den Vorstädten
sowie in dessen Außenbezirken (Belleville, Montmartre, Ménilmontant,
…).
Die
Ankunft in Paris von zahlreichen Einwohnern aus der Region der Auvergne
trugen stark zu dieser Entwicklung bei: im Übrigen stammen in dieser
Zeit zahlreiche Tanzball-Musiker aus der Mitte Frankreichs.
Aber die Dinge begannen sich Anfang des 20. Jahrhunderts
mit der starken Immigration der Italiener zu verschlechtern. Die
italienischen Einwanderer, deren Liebe zur Musik bekannt ist, gründeten
rasch ihre eigenen Bälle, auf denen an Stelle der
'Musette'
das Akkordeon das Orchester anführte, was vielen aus der Auvergne
stammenden Leuten missfiel ! Die Letztgenannten schätzten es wenig das
der Ausdruck
"Bal
Musette"
so derartig entwürdigt wurde. Dieser Konflikt wurde oft mit
Faustschlägen und Messerstechereien beglichen.
Schlussendlich
kam die
'Musette'
nach und nach aus der Mode, und das Akkordeon übernahm dessen Platz.
Unter
den Pionieren befanden sich: Charles Peguri (1879-1930),
Emile Vacher (1883-1969) und
Martin Cayla (1889-1951).
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Auch
wenn diese Tanzbälle währen den
"Verrückten
Jahren"
(1900-1914) einen enormen Erfolg hatten, musste man bis Ende des Ersten
Weltkriegs warten um die Gestaltannahme des Musikgenre
'Musette'
so wie wir es heute kennen bemerken zu können.

Neue
Tanzstile erschienen : der Musettewalzer (valse musette), die
Java, der Paso-Doblé, der Foxtrott, …
Die
traditionellen Instrumente verschwanden endgültig, die bourrées
und andere volkstümliche Tänze gehören schon einem anderen Zeitalter an,
begraben unter den kennzeichneten Rhythmen des Schlagzeuges, welches
unumgänglich wurde.
Die
"Musette"
vermischte sich auch mit der Zigeunermusik : Die Gitarren fingen an, das
Akkordeon zu begleiten.
Die
Akkordeonspieler werden zu Virtuosen : die Bekanntesten sind
Joseph Colombo, Albert
Carrara (1903-1968),
Guérino (Zigeuner der sich von Django Reinhard selbst begleiten lies!),
Adolphe Deprince, Michel
Peguri, Vincent Marceau … In den 30er Jahren begannen einige der ersten
"Monster"
der Knopf-Tasten ihre eigenen Bälle zu geben :
Gus Viseur (sein
vollständiger Name lautet Gustave Viseur, 1915-1977), Tony Murena (alias
Antonio Murena, in Italien geboren, 1916-1977), welche alle beide einen
Hauch an Swing in ihre Interpretationen brachten (später machten sie
auch im Jazz Karriere) und
Médard Ferrero, hervorragender Musiker sowie auch großer Pedagoge.
Nach
1945, unter dem Einfluss der amerikanischen Kultur, erschienen neue
Instrumente auf der Tanz-Szene : das Banjo, das Piano, der Kontrabass, …
Der Walzer ist das Wahrzeichen des Musikgenre
'Musette'.
Dieser wird zur französischen Volksmusik schlechthin, Sinnbild der neuen
Lebensfreude der befreiten Franzosen.

In
dieser Periode wurden die bekanntesten Akkordeonspieler zu Prinzen,
Königen, Stars des Akkordeons.
Sie hießen André Verchuren, Aimable, Yvette Horner, Louis Corchia,
Maurice Larcange,
Bruno Lorenzoni … Für
einige verschwand die Musik hinter den einfältigen Gesichtern und
Grimassen. Jo Privat mied den einfachen Ruhm um sein Empfindungsvermögen
in der musette manouche, der Zigeuner-Musette, auszudrücken,
welcher sicher nicht von Django Reinhard abtrünnig wurde. Andere
versuchten, das Akkordeon mit den Musikern der Klassischen Musik zu
versöhnen. Hierzu zählten André
Astier, Joss Baselli,
Joe Rossi und natürlich
Marcel Azzola. Sie
entwickelten den von Médard Ferrero, V. Marceau … eingeführten
Musikgenre weiter, den man ohne böse Absicht als Musette de Salon
(Salon-Musette) benennen kann wenn man sich auf die Salonmusik von
Chopin und Fauré bezieht. Die Walzer und Mazurkas werden zu Musikstücken
die man sich mit Freude im Sessel eines Konzertsaales anhört. Ihn ihrem
Willen, das Akkordeon aus den volkstümlichen Lokalen (guinguettes)
und den Ballsälen herauszunehmen, findet sich sicher der Ursprung der
neuen Generation der Konzert-Akkordeonisten wieder
Die
60er Jahren, mit seinen Entwicklungen und Revolutionen, markierten einen
Bruch.
Die Jugend lehnten die
"Welt
des Vaters"
und alles was sie damit verbanden. Die
'Musette',
die nicht früh genug das Verlangen der Jugend zur Kenntnis nahmen,
drehte sich von denen ab die Woodstock und die Beatles bevorzugten.
Während 30 Jahren errang das Akkordeon ein immer mehr alterndes und vor
allem altmodischeres
"Image",
welches von den Medien
auch
noch gefördert
wurde, die Angeberei und Blendung gegenüber der musikalischen Qualität
bevorzugten.
Man
musste bis zu den 90ern warten, und besonders durch die massive Annahme
des Akkordeons in Rock-Formationen, um dieses
"Image"
umzukehren.
Parallel dazu kam eine neue Generation von Tanzball-Akkordeonisten auf,
mit mehr technischen Können und oft mehr musikalisch :
Eric Bouvelle,
Domi(nique) Emorine und
Julien Labro sind deren bekanntesten Stellvertreter.
Nun
ist es an ihnen, nicht die gleichen Fehler die in der Vergangenheit
begangen worden sind zu wiederholen, ihrem musikalischen Geschmack zu
folgen, um somit das Wiederaufleben des Akkordeons zu begleiten.
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